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OKAL-Haus mit DGNB-Gold-Zertifikat


Für die urbane Mitte

 

Die Branche hat einen enormen Bedarf an Zukunftslösungen. OKAL wartet nicht ab, sondern mischt beherzt mit. Diese Stadtvilla tritt den Beweis an: Architektur, Energieeffizienz und Bezahlbarkeit sind vereinbar. 

Der Entwurf „FB-230 VB“ steht seit 2013 in der „FertighausWelt Wuppertal". Das Kontinuum von Wohnraum, Terrasse und Garten war für OKAL-Chefarchitekt Sven Propfen der alles beherrschende Gedanke. OKAL war das erste Fertighausunternehmen, das Produkte aus laufender Serienfertigung von der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen e. V. (DGNB) zertifizieren ließ. Dieses Musterhaus erhielt Gold.
Fotos: Markus Gloger

DIE ENTWURFSIDEE(N)

Architektur muss nicht nur funktional, dauerhaft und angemessen sein, sie darf auch zum Staunen verführen. Das tut das OKAL-Musterhaus in der Wuppertaler „FertighausWelt“ ohne Anstrengung. Es zieht selbst Leute in seinen Bann, die den Formenkanon der kantigen weißen Moderne nicht auf der eigenen Wunschliste haben. Spätestens auf der Gartenseite erschließt sich für jedermann der himmelweite Unterschied zwischen Haus und Architektur. Eine Komposition von erdgeschosshohen Panoramaverglasungen, von einer atriumähnlichen Terrasse, von einem großflächigen, umlaufenden Balkon mit einem Geländer aus Glas signalisiert: Hier treffen sich Lebensstil und Bautechnologien des 21. Jahrhunderts. 
Das Kontinuum von Wohnraum, Terrasse und Garten war für OKAL-Chefarchitekt Sven Propfen der alles beherrschende Gedanke für diesen Entwurf: „Ist man noch drinnen oder schon draußen? Das lässt sich gefühlsmäßig nicht mehr eindeutig trennen – the magic crossover. Wer drinnen sitzt, bleibt immer nah am Geschehen hinter den raumhohen Panoramaglasflächen. Und vom Garten aus wird das Haus zum einsehbaren Guck-kasten.“ Identische Böden für die Innen- und Außenflächen verstärken noch dieses Phänomen räumlicher Nichteindeutigkeit.
Die Terrasse, in den Garten hinein durch Wandscheiben markiert, die der Architekt sehr liebt, überdacht von dem breiten Balkon mit einem Luft-Ausschnitt in der Mitte, ist ein kontemplativer oder ein geselliger Ort. Wie es beliebt. Hier werden Sonnenstände und Sternenbilder auf die Terrasse geholt. Hier darf man Ausschau halten oder sich vor Schlechtwetterlagen hinter heruntergelassenen Jalousien schützen.

Dem Wohnbereich mit raumhohen Glasfronten schließt sich eine atriumähnliche Terrasse an, deren Wandscheiben den Übergang zum Garten markieren. Die gewaltigen „Minimal windows“-Schiebeelemente haben nur dünne Profile und laufen auf bodengleichen Schienen. 

Was bei Hochkarätern im Einfamilienhausbau durchaus gängig ist, hat das OKAL-Team jetzt zu serienreifer Blüte geführt: exzessive Fensterformate mit filigranen Rahmen, die sich mühelos auf ebenerdigen Schienen hin- und herschieben lassen. Wir sind hier bei der Fertigbauweise! Und damit bei Themen wie Spannweiten, Lasten, Formate, Winddichtigkeiten, Materialwechsel, die schnell mal zum Problem werden können. Sven Propfen: „Mit dem Entwurf wollen wir beweisen, dass sich Architektur, Energieeffizienz und Bezahlbarkeit vereinbaren lassen.“ 
Mit welcher Verve der Chefarchitekt seinem Konzept folgt, Innen- und Außenwelt symbiotisch zu verschmelzen, wird gleich beim Eintritt ins Haus erkennbar. Vom Entree darf der Blick bis hinaus auf die Terrasse und weiter in den Garten schweifen. Die Treppe verbirgt sich hinter einer Wandscheibe, das Gäste-WC und das Arbeitszimmer lassen sich durch eine Tür verschließen – ansonsten fließt der Raum durchs Erdgeschoss. „Diese durchgängige Offenheit muss man mögen, für Geheim-nisse ist dieses Haus nicht gemacht.“
Auch nicht für Abstufungen in Erst- und Zweitklassiges. Das Obergeschoss konkurriert ungeniert mit dem unteren. Auch hier recken sich die Räume in luftige 2,80 Meter Höhe, hat jedes Zimmer Fenstertüren, die sich auf bodengleichen Schienen beim Öffnen in die Wand schieben, und lockt eine rundum verlaufende Dachterrasse vorm Elternschlafzimmer und vor den beiden Kinderzimmern ins Freie. Sven Propfen: „Spektakuläre Glaskulissen verbinden sich mit handfesten funktionalen Wohnwerten.“
Das Stadthaus verkörpert die neue Bewegung zurück zur urbanen Mitte, ideal für Leerstellen und Baulücken. „Es würde ein großes Grundstück verdienen“, beschreibt Sven Propfen seine Idealvorstellung. „Aber es kann sich auch gut mit naher Nachbarschaft arrangieren. Wer sich Blicken entziehen will, lässt einfach die Jalousien an der Terrasse herunter.“

Die 2,80 Meter Raumhöhe sind ein einmaliges (unwiderstehliches) Angebot in der Fertighausbranche.

DAS ZUKUNFTSPOTENZIAL

Die Villa ist ein Plusenergiehaus. Das war die zentrale Vorgabe für alle Häuser in der „FertighausWelt“ Wuppertal. „Und das diktiert uns auch unsere innere Stimme“, so Architekt Sven Propfen. Wer mit Google Earth aufs Haus schaut, sieht denn auch reichlich aufgeständerte Photovoltaik-Elemente. Eine gut gedämmte Gebäudehülle und eine Luft-Wasser-Wärmepumpe besorgen die Energieüberschüsse, die das OKAL-Haus in den von allen 19 Ausstellern gemeinsam betriebenen Energiespeicher einspeisen wird. Ihr Ziel ist es zu beweisen, dass sie mit dem selbst produzierten Strom ein ganzes Quartier sicher versorgen und sogar Energieüberschüsse verkaufen können. Das Modellprojekt wird vom Fraunhofer-Institut München in einem externen Monitoring wissenschaftlich begleitet.
Häufig wird die Architektur reichhaltig mit Technik ausstaffiert, die den Energieverbrauch optimieren soll. Für Sven Propfen und sein Team sind technische Lösungen nicht das Allheilmittel, sie setzen ebenso auf kluge konstruktive Lösungen. „Auf der kühlen, nordwärts gelegenen Straßenseite haben wir nur kleine Fenster untergebracht, was dem Abschottungsbedürfnis zugute kommt, aber auch dem Energieverbrauch des Hauses. Die Fensterpanoramen werden vom Dach der oberen Terrasse verschattet, sodass den Räumen selbst an heißen Sommertagen kein Hitzekollaps droht. Die Fenster aber müssen niemals verhängt werden.“ Das Licht im Haus strahlt aus LED-Leuchten, ein weiterer  Beitrag zur Energiereduzierung. An dem ist auch die intelligente Hausregelung „myGEKKO“ beteiligt, die in dieser Stadtvilla alle Strom- und Heizungsverbräuche optimieren hilft.

Dorothea Neumann

Zur Straße zeigt sich das Haus verschlossener, um die Nordfassade durch zu große Fensterflächen nicht energetisch zu schwächen.
Der Balkon misst üppige 74 Quadratmeter und kann von jedem Raum im Obergeschoss aus betreten werden.