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Haussteuerung: myGEKKO


Hartwig Weidacher, Miterfinder der Hausregelung myGEKKO und CEO der Ekon GmbH

myGEKKO, ein benutzerfreundliches, hersteller- sowie plattformübergreifendes Regel- und Automatisierungssystem, wird nicht programmiert, sondern vom Elektrotechniker, Installateur und Benutzer über das myGEKKO Slide personalisiert. Seine Lieblingstat: Energie effizienter einzusetzen.
So viel Innovationsgeist wurde 2011 mit dem weltweit begehrten „red dot design award” ausgezeichnet, 2014 folgte der „Plus X Award". 


Was ist an myGEKKO anders als an anderen intelligenten Haussystemen?

Hartwig Weidacher: Die andere Perspektive. Der gedankliche Richtungswechsel, den wir eingeschlagen haben. Der marktgängige Begriff Home-Automation macht aus unserer Sicht schon das Problem deutlich: Möchten Sie in einer automatisierten, programmierten, scheinbar fremdgesteuerten Hausmaschine leben? Vermutlich nicht. Sie wollen ein Haus, das sich als optimale, bedürfnisgerechte Wohnwelt bei Ihnen beliebt macht. Behaglichkeitsfaktoren, Tagesabläufe, Familienkonstellationen sind nicht statisch, das Haus muss fix reagieren, Alltagsschläue beweisen. Womit wir bei einer elementaren Anforderung sind: Es muss sich regeln lassen. Heizung, Licht, Beschattung, Multimedia … Da der Hausbewohner am besten weiß, was er wünscht, soll er seine Ansagen über die Regelung selbst umsetzen dürfen. Und das keiner Technik überlassen müssen, die irgendwann mal von einem Techniker programmiert wurde und nun irgendwo im Hin-tergrund über seinen Kopf hinweg regiert. myGEKKO optimiert und informiert maximal, entmündigt oder befehligt die Hausbewohner aber nicht. Die Funktionen, die wir bieten, kriegen andere auch hin. Aber dass der Herr im Haus der Herr im Haus bleibt, in dem Punkt sind wir anderen voraus.Von der einstmals erträumten digitalen Demokratie ist mit Oligopolen wie Google oder Facebook nicht allzu viel übrig geblieben. Mit unserer personalisierten Hausregelung kann man sie ein Stück weit in seinem privaten Kosmos leben. 

Straffe Technikerdenke trifft auf straffe Endkundendenke.

Ja. Technisch gesehen verfolgen wir einen Produktansatz: Die gesamte Regeltechnik eines Hauses ist in einem Produkt – im GEKKO – vereint. Das unterscheidet uns vom gemeinhin geläufigen Projektansatz: das Haus mit unzähligen, sehr technik- und programmierlastigen Komponenten, die schlimmstenfalls nicht ordentlich mitein-ander spielen, zu bestücken. Funktional betrachtet stellt myGEKKO die Schnittmenge von komfortablem Wohnen, Energiesparen und digitalem Lifestyle dar.

Können Sie einem ingenieurtechnisch weniger Bedarften bitte mal den
Unterschied zwischen Steuerung und Regelung erklären?

Ich nehme Sie an die Hand und führe Sie um die Ecke. Das ist Steuerung. Ich nehme Sie an die Hand, höre mir an, wohin Sie wollen, und gehe erst dann mit Ihnen los. Das ist Regelung. Steuerungsprozesse verlaufen in eine Richtung, Regelungsprozesse in viele – sie lassen sich beeinflussen. Unsere Haussteuerung ist die Schnittstelle, die alle Systeme im Gebäude miteinander verbindet, die es ermöglicht, dass jeder Bereich – von der Heizung bis zum Alarmsystem – separat zu verändern ist und dabei, den Algorithmen sei Dank, trotzdem das Haus als Gesamtsystem im Blick hat. 
Ein Beispiel. Bei der Kontrolle des Stromverbrauchs stelle ich fest: Die Trendkurve verläuft zu steil nach oben. Daraufhin suche ich eine Ebene tiefer nach den Stromfressern. Aha, wird mir angezeigt, die Leuchten in der oberen Etage. Die verbrauchten Kilowatt können gleich mit den Kosten dafür hinterlegt werden. hne Zähler, das lässt sich entsprechend konfigurieren. Wenn die virtuelle Summe erscheint, kann ich entscheiden: Kaufe ich Leuchten, die weniger verbrauchen, oder gebe ich ins Display ein: Das Licht automatisch nach zwei Minuten löschen, wenn sich niemand im Raum aufhält. Durch solche privaten Energieinspektionen bringt mich der GEKKO auf konkrete Verbesserungen, ich werde mit ihm zum kompetenten Energiemanager meines Hauses. 

Wie technisch versiert muss ein Kunde sein, wenn er mit myGEKKO kommunizieren will?

Die meisten Leute in Deutschland, Italien, Österreich, in der Schweiz und in den Niederlanden – diese fünf Länder sind unser Markt – telefonieren mit einem Smartphone. Wenn sie sich so ein Gerät kaufen, stellen sie am ersten Tag die wesentlichsten Funktionen ein, am zweiten gehen sie auf Entdeckungstour, am dritten Tag ist ihnen das Teil vertraut. So funktioniert das mit dem  GEKKO auch. Man stellt sich vor das Display, probiert intuitiv aus, mit der Zeit begibt man sich auf immer tiefere Ebenen. Die Bedienoberfläche ist sehr einfach und erschließt sich, wie wir wissen, selbst dem Opa, wenn der zu Gast ist. 
Vieles von dem, was wir tun oder lassen, ist psychologisch determiniert. Ein Problem des digitalen Zeitalters ist das unbehagliche Gefühl, Techniken, Systemen, Kontrollmechanismen ausgeliefert zu sein. Mittlerweile werden viele von uns wieder gern zu Machern. Dahinter verbirgt sich die Idee, an etwas teilzuhaben, anstatt nur zu konsumieren. Weshalb findet beispielsweise die Maker-Bewegung so viel Zuspruch? Dort stehen der Spaß an der Sache und das Ausloten der eigenen Fähigkeiten im Zentrum.

 

 

Welche Funktionen bietet myGEKKO? 

Aktuell sind es 20 im Standardmenü: Heizung, Wohnraumlüftung, Sicherheit, Energiekosten, Lichtszenarien, Multimedia bis zur Gartenbewässerung. Die jüngste Erweiterung ist das E-Mobile. myGEKKO ist ein flexibles System. Wir wollen nicht zu den konsumorientierten Triebtätern gehören – der GEKKO soll nicht nach zwei oder fünf Jahren entsorgt werden. Wir bauen ihn einfach immer weiter aus.  

Ein Streitpunkt in aktuellen Debatten ist: Moderne Gebäude sind ohne
intelligente Hausautomation nicht denkbar, diese Technik wird aber schnell mal überdimensioniert.

Der Idealzustand wäre: Das vom Architekten geplante Haus sieht schön aus, braucht fast keine Heizung, kaum zusätzliche Beschattungselemente, wenig Kunstlicht. Leider werden solche Häuser zu selten gebaut. Am Thema Energieeffizienz kommt heute dennoch keiner vorbei. Also wird dem Haus unendlich Technik aufgesattelt, um Schwachstellen auszugleichen. Ein teurer, komplizierter, nutzerunfreundlicher Overkill. Wir denken Häuser grün, vernetzt und kostengünstig. Das myGEKKO-Display wurde gezielt energiesparend entwickelt und mit langlebigen Industriekomponenten ausgestattet. Mit Ausnahmen. Wenn uns vorrätige Lösungen der Industrie nicht behagen, erfinden wir halt selbst. Der Markt bietet eine unüberschaubare Vielfalt an Modulen. Genau diesem Überangebot, das für Privat-häuser eine teure Angelegenheit werden kann, wollten wir etwas entgegensetzen. Smart ernst genommen. Deshalb haben wir 2009 eigene RIO-Module entwickelt. Mit denen werden die Bereiche Feld (also sämtliche unintelligente Sensorik und Aktorik) und Verteiler (in dem ist die gesamte Intelligenz verpackt) getrennt. Die Module lassen sich schnell montieren und verkabeln. Das macht den Planern und Installateuren das Leben leicht. Und: Gerade mal zwei RIO-Typen decken unendlich viele technische und gestalterische Möglichkeiten ab.

Vor drei Jahren sind Sie eine exklusive Partnerschaft mit der Deutschen
Fertighaus Holding eingegangen. 

Wir wollten nicht als Regeltechnikverkäufer über den Markt tingeln, das war uns von Anfang an zu wenig. myGEKKO ist das Ergebnis unserer Arbeitsbiografie. Wir haben uns nach dem Studium jahrelang mit Energie- und Kommunikationsberatungen beschäftigt, wir haben geplant, projektiert, programmiert, von kommunalen Einrichtungen über Hotels bis zu Kraftwerken war alles dabei. Will sagen: Wir kennen die Materie aus jedem Blickwinkel und mit sämtlichen Problemen. Als wir über myGEKKO nachzudenken begannen, haben wir immer auch das Haus dazu mitgedacht. Wir wurden von relativ vielen Hausanbietern angesprochen, aber an der Deutschen Fertighausholding gefiel uns auf Anhieb, wie visionär und analytisch man dort unterwegs ist. Sich nicht nur als Hersteller und Verkäufer sieht, sondern als Hausentwickler. Hausautomatisierung endlich einfach und bezahlbar zu machen, Langlebigkeit eines Gebäudes und seiner Technik, das Haus als vernetzter Energieerzeuger, die ener-getische Symbiose von Haus und Auto – das sind Themen, die uns gleichermaßen beschäftigen. Der GEKKO wird für alle OKAL-Häuser sogar im Standard angeboten, für uns ein Indiz, wie couragiert man dort in Simmern die Firmenstrategie umsetzt.

Energieeffiziente Häuser sind bestens gedämmt, herkömmliche Stromfresser, wie Haushaltsgeräte, Beleuchtung, Wärmepumpen verbrauchen immer weniger Strom. Was gibt es da eigentlich noch zu optimieren?

Der geringe Energiebedarf dieser Häuser muss extrem effizient produziert, eingesetzt und verwaltet werden, weil das große Ziel ja lautet: Selbstversorgung von Haus und Auto. Positive Bilanz. Auch der Verbrauch einer genügsamen Wärmepumpe summiert sich unterm Strich. Minimaler technischer Aufwand bedeutet nicht, die Heizung über einen Fühler mit Plus- und Minus-Display zu regeln, ein Schmarrn. Sinnvoll ist ein Fühler, der klug im Hintergrund regelt, der die Heizung auch mal nur um scheinbar mickrige 0,2 Grad herunterfährt. Wir reden bei Energieeffizienzgebäuden nicht mehr von gewaltigen Einsparungen, wir reden von Kleinigkeiten. Und deshalb vom Gegenteil, Gebäude brachial mit Technikkompo-nenten vollzustopfen.

Ist Ihr Regelsystem nur für Eigenheime vorgesehen?

Es wird auch in Hotels, Firmengebäuden, Schulen, Krankenhäusern, Wellnessbereichen et cetera installiert. Bei entsprechend großen Einheiten sind es dann mehrere GEKKOS. Genauso gut lassen sich Gebäude im Quartier miteinander vernetzen.

Gibt es Vorgaben für die Installation?

Nein, darüber kann der Kunde selbst entscheiden. myGEKKO ist offen für jede
Verkabelungsart – traditionelle Leitungen, Funk, BUS, myGEKKO RIO. Es lassen sich auch verschiedene Versionen beliebig miteinander kombinieren. Wer sich für eine Verkabelung entscheidet, legt sich damit nicht fürs Leben fest. Sie kann jederzeit unkompliziert verändert werden. Mit dem GEKKO haben wir uns vom Serverkonzept wegbewegt, hin zum kombinierbaren Regel- und Bedienkonzept. Zu offenen Standards und offenen Programmierkonzepten.