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Dank Stromspeichersystem Selbstversorger


„S 10": 13,8 kWh Kapazität

Die private Energiewende hatte bisher ein schmerzhaftes Loch. Es fehlten gute, sprich: leistungsstarke und bezahlbare Stromspeicher. Die Osnabrücker Firma E3/DC hat sich der Sache angenommen und ein grünes Kraftwerk für den Hausgebrauch erfunden.

Dr. Piepenbrink, wenn es nach Ihnen ginge, würden wir alle in Häusern wohnen, die ihren Strom selber produzieren, unterm Carport-­Solardach ein Elektromobil parken und den bisherigen Energieversorgern die kalte Schulter zeigen.

Das ist mein Wunschszenario.

Sie müssen in Hochstimmung sein. Jahrelang wurde die Industrie wegen fehlender Speichertechnik gescholten. Seit zwei Jahren gehören Sie zu denen, die liefern.

Das tun wir. Und ein bisschen mehr. Wir ziehen nicht als Batterie-Lieferanten über den Markt. Wir verstehen uns als Coaches, als Schrittmacher der privaten Energiewende. Mit unserem Energy-Storage-Komplettsystem wollen wir neue Standards bei der dezentralen Hausversorgung mit regenerativem Strom etablieren. Haus­technik vom Feinsten – aber bezahlbar.

Neue Standards bedeutet?

Erstens das Wechselspiel von eigener Energieproduktion und eigenem Energieverbrauch bilanziell zu optimieren: Netzentlastung. Konsequent und so weit wie möglich ausgereizt.

Zweitens: Konventionelle Energie außen vor lassen. Wir haben dafür in unseren „S10“-Systemen den maximalen Batteriestrom auf 1.500 W begrenzt, um mit 4.000 bis 6.000 kWh Jahresverbrauch einen Gesamteigenverbrauch von 70 bis 75 % zu erreichen. Das ist eine optimale Hausmarke.

Die restlichen 30 % sind im Idealfall ein Tauschgeschäft: Im Sommer ins Netz eingespeiste Überproduktionen des Hauskraftwerks werden im Winter zurückgekauft. Wenn es nach uns geht – nur als Grünstrom. Sonst bleibt die ökologisch saubere Gesamtbilanz ein frommer Wunsch.

Was können Sie, was andere nicht können?

Anders als andere richten wir unseren Ehrgeiz nicht einseitig nur auf die Stromerzeugung. Sondern auf Inselnetze.

Die sind in der Lage, den lokal erzeugten Strom zu wandeln, zu verteilen und zu speichern. Wir haben viel Intellekt in Leistungselektronik gesteckt. Unser „S10“-Hauskraftwerk ist weltweit das erste integrierte, echt dreiphasige DC-Stromspeichersystem. Im Herbst 2013 haben wir die TriLINK-­Technologie mit dreiphasiger DC-­Tech­nologie eingeführt. Damit ist uns möglich, was sonst keiner schafft: das „S10“-­Kraft­werk im Inselbetrieb solar nachzuladen und den N-Leiter des Stromnetzes für dreiphasige Wechselrichter direkt mit der 48-V-Batterietechnik zu verbinden.

Die TriLINK-Technologie haben wir inzwischen auf einphasige Geräte erweitert, sie steckt auch in unserem neuen Stromspeichersystem „S10 MINI“. Das lässt sich gleichfalls im Inselbetrieb solar nachladen.

Bedienerfreundliches Display

Welche Power hat die Batterie?

Der Batterieladewirkungsgrad des „S10“- Speichersystems erreicht nahezu 90 %. Die Wegebeschreibung der Prozesse lautet vereinfacht: vom PV-Modul in die Batterie und zurück ins Hausnetz einschließlich viermaliger Leistungswandlung, laden und entladen. Die Batterie haben wir dabei galvanisch getrennt, um dem Kunden ein sicheres und robustes Produkt ins Haus zu stellen. Das auch überlebt, wenn der Hund mal versehentlich das Bein hebt. 

Die Batterie selbst bewerkstelligt Wirkungsgrade von 98 %. Der ins System integrierte 5,4-kWh-Speicher wird täglich mit bis zu 4 kWh ausgenutzt. Ein Ausbau bis 9 kWh ist technisch möglich, allerdings nicht notwendig.

Was steckt in solchen kleinen Kraftpaketen?

Mehrere Batteriemodule, der Wechselrichter, ein Batteriewandler, die Notstromeinrichtung. Ein All-in-one-Betrieb. Der vereint sämtliche Modi – AC, DC oder Hybrid – und Funktionen wie Energie-Farming, Notstrom, Inselnetz. Das Innenleben der Geräte haben wir modular aufgebaut, es lässt sich unaufwendig verändern und erweitern.

Muss es Strom aus der PV-Anlage sein?

Das ist die gängige Lösung. Aber nach Rom führen viele Wege. Man kann auch eine Mikro-Kraft-Wärme-Kopplungsanlage an unser Hauskraftwerk anschließen, zugegeben ein etwas exotischeres Konzept. Mit inte- griertem Spitzenlastkessel lassen sich damit 100 % des Tagesverbrauchs für Strom und Mobilität decken. Nicht nur rechnerisch. Wir haben diese Kombination bereits in Kundenhäusern in Dülmen umgesetzt. 

Perspektivisch wird der Siegeszug der gebäudeintegrierten Photovoltaik nicht aufzuhalten sein. Als Ergänzung für eine konstante Grundversorgung in sonnenmageren Monaten könnte ich mir Thermogeneratoren vorstellen. Was soll falsch daran sein, wenn etwa die Bayern an 8 oder 10 Tagen im Jahr ein paar Holzscheite aus ihren Wäldern in den Ofen werfen und nach 2 Stunden Strom für ihre Wärmepumpe verfügbar ist? Beispielrechnungen belegen, dass solche Hybridsysteme funktionell und ökonomisch sehr interessant sind. Und alltags­tauglich.   

Zeitlicher Tageslastbedarf im Sommer (Einfamilienhaus in Dülmen)
Zeitlicher Tageslastbedarf im Winter (Einfamilienhaus in Dülmen)

Bei E3/DC herrscht, unschwer herauszu­hören, stets Work in Progress. Wie sehen denn Ihre Fernziele aus?

Erstens wollen wir Leistungen bieten, die öffentliche Netze weitgehend überflüssig machen. Was bedeutet: 12 kW Batterieleistung statt der jetzigen 3. Wir arbeiten dafür an neuen Wandlern. Damit können Sie künftig Weihnachten ungeniert alle drei Herdplatten fürs Menü auf Hochtouren laufen lassen.

Zweitens wollen wir Autobatterien entladen können – stufenlos, ohne Netz. 99 % der Wettbewerber werden das übers Stromnetz organisieren. Wenn Sie jetzt fragen, braucht man an dieser Stelle Netzunabhängigkeit, sage ich: ja. Weil wir damit zusätzlich eine unterbrechungsfreie Notstromversorgung gewährleisten. Warum ist Apple Apple und nicht irgendwer? Weil sie sich dort in Amerika erst zufriedengeben, wenn sie auch das kleinste Detail optimal nutzerfreundlich, intelligent und schön gelöst haben. 

Drittens streben wir an, die Kostenkurve für unsere Systeme nach unten zu drücken. Und hoffen natürlich auf gleiche Abwärtsbewegungen bei den E-Autos. 

Welche Vorleistungen muss denn ein Haus mitbringen, um kraftwerktauglich zu sein?

Ein zeitgemäßer Neubaustandard reicht aus: gut gedämmt, Wärmepumpe, angemessene PV-Anlage. Bestandsimmobilien mit hohem Heizbedarf gehören nicht zu unserer Zielgruppe. Noch nicht.

„Kraftwerk“ klingt für den Otto-Normal-­Haus­herren erst mal nach: mächtig gewaltig und kompliziert.

Wer im Physikunterricht halbwegs aufgepasst hat, dem erschließen sich die Systeme und die Abläufe mühelos. Man muss dafür kein Spezialist sein. Unsere „S10“-­Kraftwerke arbeiten vollautomatisch, sämt­liche Leistungsdaten und Funktionen lassen sich über einen persönlichen Internetzugang abrufen und steuern. Man kann gewissermaßen sekundengenau alle Informationen zur Stromerzeugung, zum Verbrauch und zum Batteriestatus kontrollieren – zu jeder Zeit und an jedem Ort. Das Menü ist so übersichtlich, dass es jeder versteht. 

Wer wartet die Geräte?

Unser eigenes Servicecenter. In der Regel aus der Ferne. Als Standard geben wir 10 Jah­re Systemgarantie – wir sind von der Qualität unserer Produkte überzeugt.

Sie verwenden Lithium-Ionen-Batterien?

Etwas Besseres werden Sie derzeit am Markt nicht finden. Lithium-Schwefel- oder Lithium-Luft-Akkumulatoren, an denen Forscher arbeiten, sind noch Zukunftsmusik. Die Lithium-Ionen-Batterien bringen es inzwischen auf so hohe Stückzahlen, dass ihr Preis auf 220 € pro kWh Speicherkapazität gesunken ist. 

Auch bei der Zyklenzahl schneiden sie besser als ihre Mitbewerber, die Blei-Akkus, ab. Ein durchschnittlicher Haushalt mit PV-­Anlage benötigt etwa 250 Zyklen im Jahr. Lithium-Ionen-Speicher bewältigen zwischen 5.000 und 7.000 Ladezyklen. Blei-­Speicher bringen es nur auf 1.600 bis 3.000. 

Die Lebensdauer eines Speichers ist eng an seine Entladetiefe gekoppelt, auch da sieht die Lithium-Ionen-Batterie gut aus: Sie hält bis zu 20 Jahre durch, ihre Entladetiefe liegt bei 70 bis 100 %. Die von Blei-Batterien lediglich bei 50 bis 60 %. 

Blei-Speicher sind zudem wartungsintensiv, täglich ist bis zu 1 m3 Lüftung erforderlich. Lithium-Ionen-Speicher sind dagegen wartungsfrei. Sie brauchen al­lerdings ein Energiemanagement, um Überladungen auszuschließen. 

Noch ein Pro-Lithium-Argument: Die Tech­­nologie erreicht Wirkungsgrade von bis zu 95 %, Blei hinkt auch hier mit 86 % hinterher.

Sie beziehen Ihre Batteriezellen von …? 

Panasonic. Ein Glücksfall, dass die im Internet nach Firmen, die Haus und Auto intelligent energetisch verknüpfen, gesucht haben und auf uns aufmerksam wurden. Umgekehrt hätte es kaum funktioniert. Bis Sie bei Panasonic von den richtigen Leuten angehört werden, wächst Ihnen ein langer Bart. 

Das Unternehmen stellt seit 25 Jahren Autobatterien her, die sind fit. Auch beim Thema Nachhaltigkeit.

Viele Vordenker präferieren das Quartier: Nicht das einzelne Haus soll autistisch agieren, sondern im Verbund soll jedes Gebäude seinen möglichen Anteil beisteuern oder von den anderen partizipieren.   

Ein sympathischer Gedanke. Der aber derzeit von fundamentalen rechtlichen und/oder nachbarschaftlichen Problemen konterkariert wird. Stichworte: Anschlusspflicht, Netzkostenumlage …

Technisch beherrschen wir auch größere Einheiten wie Firmengebäude, Mehrfamilienhäuser oder Quartiere, keine Frage. 

Seit Herbst 2014 lassen sich unsere „S10“-Kraftwerke mit einem Farm-Manager komplettieren. Diese Software schaltet mehrere Stromspeicher parallel zu einer intelligenten Energiefarm zusammen – mit nur einem Anschluss ans öffentliche Netz. Das mit dem Netzregelpunkt verbundene „S10“-System kommuniziert mit allen anderen Speichern, es verfügt zu jeder Zeit über alle relevanten Informationen zu Erzeugung, Batterieladezustand, Verbrauch und justiert die Batteriebeladung und -entladung entsprechend. 

Da der Farm-Manager sämtliche Energieflüsse im lokalen Netz überschaut, verteilt er den verfügbaren Strom so schlau, dass alle Verbraucher punktgenau versorgt werden. Unterm Strich ist diese modulare Energiefarm spürbar flexibler als ein großer Speicher. Eine überdimensionierte Photovoltaik-Anlage auf dem Dach eines Produktionsbetriebes kann auf diese Art ganzjährig das benachbarte Büro oder die Einfamilienhäuser im Quartier mitversorgen. Die rechtliche Hürde besteht allerdings derzeit noch in der Voraussetzung, dass beide Gebäude auf demselben Grundstück stehen.

Haben Sie jetzt eine Computersimulation beschrieben oder ein „lebendiges“ Modell? 

Es gibt bereits mehrere Kundenprojekte. Ein Beispiel: Im niedersächsischen Ritterhude wurden in einem Doppelhaus zwei AC-Stromspeicher mit jeweils 10 kWh Spei­­cherleistung installiert. Als Energiefarm verdoppelt sich die Ausspeiseleistung auf 6 kW. 

Mehrere große Photovoltaik-Anlagen, die auf dem Grundstück außerdem ein Betriebsgebäude und diverse Hallen versorgen, schrauben die Bilanz des Doppelhauses sogar auf EnergiePlus-Niveau. 

Sie haben als eine Komponente Elektro­­­­­­autos auf dem Schirm. Noch so ein Brocken.

Back to the Roots. E3/DC war jahrelang im Automotive-Bereich unterwegs. Für die Idee, das Auto als Speicher und Stromquelle zu nutzen, wurden wir anfänglich ausgelacht. Zu meiner Zeit bei Karmann in Osnabrück habe ich an so einem Prototypen mitgearbeitet. Der Fehler war: Wir haben die Elektronik ins Auto eingebaut. Da gehört sie nicht hin. Sie gehört ins Haus. 

Inzwischen haben wir Ernst gemacht und ein eigenes Fahrzeugladegerät erfunden. Es erlaubt das rein solare Betanken von Elektroautos nach dem Typ 2-Standard. Die Wallbox wird bei Betrieb direkt mit dem Elektroauto gekoppelt und hat eine Schnittstelle zum Hauskraftwerk „S10“. 

Wir haben mit dieser Kombination ein Stück weit Vorsprung vor konventioneller Ladeinfrastruktur erreicht: Die Ladeleistung wird im Sekundentakt mit den verfügbaren Strom­überschüssen des Hauses synchronisiert, es wird ausschließlich überschüssige elektrische Energie stufenlos und gesteuert ins Auto gelenkt. Was, ich wiederhole mich, die Eigenverbrauchsquote verbessert.

Ich kann mich an die Erzählung eines E-Mobil-Managers von Daimler erinnern: Wenn der Benzinpreis an den Tankstellen steige, würden in seinem Entwicklungsbüro die Sektkorken knallen … Dass Elektrofahrzeuge für die Vernetzung von Haus und 

Auto ideale Kandidaten sind, bezweifelt kaum jemand. Aber noch fehlt vielen der Glaube, dass sich dieses Energiekonzept in Deutschland absehbar flächen­deckend durchsetzen wird. Schon wegen fehlender geeigneter E-Pkw-Angebote.

Nur Geduld, Elektroautos werden ihren Weg machen. Aktuell werden sie noch eher belächelt als bewundert, für alltagsuntauglich und für zu teuer befunden. Aber ihre Technologie ist unwiderstehlich. Wer schon mal damit gefahren ist, schaut seinen Benziner sofort kritischer an. 

Ich fände es gut, wenn Deutschland so beherzt wäre wie die Niederlande oder Norwegen. Dort fördert der Staat den Kauf von Elektroautos. Mit dem Beschleunigungseffekt, dass ihr Marktanteil höher als bei uns ist. Sie sind aber nur dann ein nachhaltiger Mobilitätsbaustein und tatsächlich ein Fortschritt, wenn der Strom aus regenerativen Quellen stammt. Und er muss aus der Steckdose kommen – kostspielige kommunale Ladeinfrastrukturen will hierzulande niemand bezahlen.

Welchen Part weisen Sie dem Elektroauto zu?

Es dient als mobiler, rückspeisefähiger Speicher. Der das Winterproblem, wenn die PV-Anlage nicht genug Strom liefert, verringert – und im Sommer mit seiner zusätzlichen Speicherkapazität das Überschussproblem. Diese Überschüsse reichen von März bis September locker für ein E-Auto mit einer jährlichen Fahrleistung von etwa 12.000 km. Sie „tanken“ in dieser Zeit also schon kostenlos. Ich habe lange genug in der Autoentwicklung gearbeitet, um behaupten zu können: Es gibt kaum einen so effektiven Generator wie ein Elektroauto. Es ist hoch industrialisiert, außerdem wenig anfällig. Den Wettbewerb mit einem Blockheizkraftwerk gewinnt es mühelos.

Die Verbraucher, in unserem Fall Bau- oder Hausherren, sind für die private Energiewende eher unsichere Zeitgenossen. Einerseits haben sie großes Interesse daran, den stetig steigenden Strompreisen zu entrinnen. Wenn es aber konkret werden könnte, winken viele ab.

Für Zauderer ist das eine Steilvorlage: Die Kunden wollen es nicht, basta. Die einfache Wahrheit ist: Wir müssen uns mehr Mühe geben, unser Hauskraftwerk-Konzept so zu erklären, dass jeder denkt: Brauche ich, unbedingt! 

Also die Verbraucher in unser Denken hineinholen. Die DFH Deutsche Fertighaus Holding macht das schon sehr gut mit ihren Bauherren. Nachhaltigkeit wird dort nicht als populistisches Aufreißerthema behandelt, sondern als lösbare Tagesaufgabe mit strategischer Wertentwicklung kommuniziert. DFH-Häuser bringen alle Basics für smarte Energiekonzepte mit. Sie sind bestens wärmegedämmt und haben generell einen geringen Heizbedarf. Weshalb sich wegen einer so überschaubar kleinen Strommenge auf Jahre von einem Energiemonopolisten abhängig machen? Von dessen Preisspielereien? Warum die schöne Freiheit, die das neue Haus bietet, nicht maximal ausleben? Freies Fahren inklusive.

Die Energiewende ist eines der ganz groß verkündeten politischen Ziele, energetische Selbstversorger müssten folglich heftig umworben werden …

Deutschland hat lange verkehrte Welt gespielt: Aktivität, also Eigenstromerzeugung, wurde als privates Hobby abgetan. Passivität, also Dämmung, wird mit Fördermaßnahmen reichlichst belohnt. Seit 2 Jahren werden endlich auch private Stromspeicher von der KfW mit zinsgünstigen Krediten subventioniert. Natürlich auch unsere E3/DC-Anlagen. 

Sind Stromspeicher nicht trotzdem ein eher elitäres Thema?

Sind sie definitiv nicht. Eine aktuelle Umfrage hat ergeben, dass 86 % der Deutschen die Vorstellung fasziniert, sich von unkalkulierbaren Elektrizitäts-, Gas- und Heizölpreisen unabhängig zu machen. Schauen Sie sich die Statistiken an: Der durchschnittliche Strompreis ist heute in Deutschland 43 % höher als Mitte 2007. Das muss nicht so weitergehen; aber auch die moderatest denkbare Strompreissteigerung von jährlich 0,5 % summiert sich in 10 Jahren auf 5 % Preisanstieg.

Richtig ist, dass bei ihrer Markteinführung die Speicher so viel kosteten, dass sich die Investition kaum zurückverdienen ließ. Das hat sich gerade geändert. Durch den Preisrutsch verkürzen sich die Amortisationszeiten der Hauskraftwerke so, dass viele Bauherren und Hausbesitzer meinen: Kann ich gut in meinem Budget unterbringen. Weil sie sich nun schon in überschaubar wenigen Jahren rechnen.

Speicher scheinen auch deshalb ein kompliziertes Thema, weil wir uns auf einem Markt bewegen, wo wie in einer Pfauenkolonie jeder das größte Rad schlagen möchte. Auf dem viel versprochen, aber zu wenig gehalten wird. Wo es zudem oft noch an kompetenten Handwerkern fehlt, die das neue Technikzeitalter mitgestalten wollen, statt sich überfordert zu fühlen.  

Bleiben wir mal bei den realen Kosten. 

Abhängig von der Speichergröße müssen Sie um die 15.000 € Anschaffungskosten für Batterie und PV-Anlage kalkulieren, einschließlich KfW-Förderung. Grob gerechnet dauert es zwischen 7 und 10 Jahren, bis Sie diese Aufwendungen wieder drin haben. Die konkreten Rechnungen basieren auf einem Zeitraum von 20 Jahren, auf einem Eigenstromverbrauch von etwa 70 % und ins öffentliche Netz verkauftem Strom.

Ich profitiere als Hausbesitzer in jedem Fall von diesem Mix aus Eigenstromerzeugung, Eigenverbrauch, eigener Solarstromspeicherung, Netzeinspeisung und Netzbezug?

Exakt. Die Verbindung Eigenverbrauch/Solarstromspeicherung hat bilanziell im deutschen Stromnetz derzeit drei Einnahmequellen. 

Erstens den Faktor Einsparung: Der Stromverbrauch aus dem Netz sinkt aufgrund der Nutzung selbst erzeugten Solarstroms im Jahresmittel auf 25 bis 30 %. Zudem ist dieses System robust gegen Strompreis­stei­ge­rungen und folglich weitgehend inflationsbereinigt. Dazu kommt derzeit als zweiter Faktor immer noch die Einspeiseförderung: Die Netz-Einspeisung des Solarstroms reduziert sich zwar auf 25 bis 30 % im Vergleich zur reinen Einspeisung ohne Eigennutzung, bleibt aber vorerst als Einnahmequelle erhalten. Aktuell gibt es dafür 12 ct pro kWh. Eigenstrom aus PV mit hauseigenem Energiespeicher kombiniert ist aber auch ohne jede Subvention heute schon die wirtschaftlichste Variante von allen. 

Können Sie das belegen? 

Klar. Fangen wir mit den Gestehungskosten für Strom aus der eigenen PV-Anlage an: Der Direktverbrauch aus PV in einem Einfamilienhaus entsteht tagsüber, wenn die Sonne scheint, und liegt bei 25 bis 30 %. Um diese Quote zu erreichen, müssen übers Jahr ungefähr so viele kWh solar erzeugt werden, wie der Haushalt verbraucht.

Die Einspeisevergütung nach EEG lassen wir hier außen vor. Erstens läuft sie sowieso absehbar gegen null. Zweitens verfälscht jede Subvention eine ehrliche Wirtschaftlichkeitsrechnung.

Ohne EEG-Vergütung und ohne zusätzlichen eigenen Speicher lässt sich in einem Einfamilienhaus 1 kWh PV-Strom für knapp 20 ct erzeugen; die Haltbarkeit der PV-Anlage ist dabei auf realistische 30 Jahre gerechnet.

Inklusive subventioniertem PV-Stromverkauf über das EEG und bei entsprechend großen Anlagen lassen sich rechnerisch auch 8 ct/kWh darstellen. Aber das ist keine Direktnutzung, also irrelevant, sobald der eingespeiste Strom nicht mehr so hoch vergütet wird. Da die Preise für Solarmodule inzwischen bei etwa 50 % der Gesamtkosten stehen und Wechselrichter sowie Handwerkerleistungen nicht weiter zu reduzieren sind, können die Errichtungskosten für PV-Anlagen auf Einfamilienhäusern kaum weiter sinken. Darauf zu warten, ist also keine gute Option.

Was ist mit den Kosten der Stromspeicher? 

Ein PV-basierter Stromspeicher kann hierzulande übers Jahr etwa 280-mal mittags von der Sonne vollständig aufgeladen werden, wobei alle Schlechtwetterlagen wie Regen, Nebel und Schnee einberechnet sind.

Die Größe des Stromspeichers sollte ungefähr 1/1.000 des Hausverbrauchs entsprechen, da etwa 1/3 des Tagesstroms über den Speicher bezogen werden kann, bevor am nächsten Tag die Sonne wieder liefert.

1 kWh Stromspeicher kostet genauso viel wie 1 direkt aus der PV-Anlage verbrauchte kWh Eigenstrom. Kombiniert mit dem Speicher erhöht sich der Direktverbrauch eigenen Solarstroms zeitlich verzögert für den Bedarf in den Abend- und Nachtstunden um weitere 35 bis 40 % auf insgesamt 70 bis 75 %! Da die eigene PV-Energie tagsüber zum Laden des Speichers zur Verfügung steht, entstehen dafür keine Zusatzkosten. Die Kosten der Stromspeicher bewegen sich aktuell auf etwa 1.000 € pro kWh zu. Derzeit liegt der Endkundenpreis noch leicht darüber.

Müssen Ihre Kunden, nachdem sich die Anschaffungskosten amortisiert haben, Kosten für irgendwann fällige Geräteerneuerungen fürchten? 

Die Lithium-Ionen-Batterie wird locker 20 Jahre alt, mindestens. 

Ich erachte es als legitim, die Kostenrechnung sogar auf 30 Jahre auszudehnen und sicherheitshalber 2.000 € für Teilerneuerun­gen draufzuschlagen. Die PV-­An­lagen sind gleich­falls so belastbar, dass sie etwa 3 Jahrzehnte durchhalten, ohne dass sich ihr Wirkungsgrad maßgeblich verringert.

Sie bewegen sich auf Ihrem Geschäftsfeld in einer kontroversen, sehr leidenschaftlichen Debatte unter Experten: Soll 

Strom die absolute Vorherrschaft in der Energieversorgung bekommen?   

Ich bin dafür. Unter zwei Bedingungen: Er muss regenerativ erzeugt sein. Und sein Verbrauch muss optimiert werden. Wir sollten vor lauter Übermut, dass er womöglich günstig verfügbar ist, nicht in alte Verschleuderungsmentalitäten zurückfallen.

Sie haben vorhin beklagt, es würden Handwerkerkompetenz und -leidenschaft für zukunftsweisende Produkte wie Ihre fehlen. Wer baut denn Ihre Anlagen ein?   

Zertifizierte Installateure. Bundesweit gibt es derzeit mehr als 450. 

Durch immer neue Entwicklungen hatte sich die Zahl unserer Systemvarianten auf 11 geschraubt. Jetzt haben wir sie auf 2 reduziert. Gleichzeitig entfiel die bislang aufwendige Wechselrichterauslegung beim Kunden. „Mount and use“ lautet die Kurzformel für die einfache, von uns patentierte Installation. 

Was ein wahrer Prophet ist, der findet immer seinen Berg.

Spielen Sie auf unser virtuelles Kraftwerk an? Das lag auf der Hand. Heutzutage ist es bei Netzbetreibern Gepflogenheit, nicht exakt vorhersehbaren überschüssigen Strom aus Windenergie kostenlos in zugelassene Regelanlagen einzuleiten. Gute Idee, haben wir uns gesagt. Benutzen wir doch unsere  stetig wachsende Flotte von privaten „S10“-Hauskraftwerken zur Zwischenspeicherung überschüssiger Energie. Jeder Eigentümer kann selbst entscheiden, ob er an unserem Store2Market-Programm teilnimmt. Als virtuelle Kraftwerke machen sich die Anlagen vor allem in den Nachtstunden von 20 Uhr bis morgens um 8 Uhr nützlich. An ihnen muss nichts modifiziert werden, sie sind ja bereits alle im Internet vernetzt, verfügen über ständige Leistungsmessung und Software-Updates via Fernwartung. 

Es passiert nichts über den Kopf der „S10“-Besitzer hinweg, sie behalten die volle Kontrolle. Sollten die am Regelenergiemarkt erzielten Erlöse profitabel sein, werden sie anteilig weitergereicht.

Was erwidern Sie Energieexperten, die von derzeit umgehenden „Dezentralisierungsmythen“ sprechen? 

Es ist ein offenes Geheimnis, dass sich das Verhältnis von Aufwand für die Energiegewinnung und Ertrag bei den bisherigen Monopolisten dramatisch verschlechtert, dass immer mehr Energie für deren Bereitstellung und Verteilung draufgeht. Die Folge davon: Selbst wenn die Energiepreise sinken, müssen die Kunden die teure, derzeit un­verzichtbare Netzstruktur bezahlen.

Uns geht es mit unserem Streben nach Autarkie nicht um schnöde Rechthaberei. Wir sind da ganz pragmatisch unterwegs: den Prozess nachhaltigen Wirtschaftens mit Energie möglichst schnell vorantreiben und an das Optimale heranführen. 

Wenn sich die Großen der Branche mit radikalen Innovationen schwer tun … 

… dann übernehmen wir das, die Kleineren, aber Kreativeren am Markt.

Elon Musk kündigt an, dass Tesla eine Batteriefabrik der Superlative in Nevada errichtet: Jahresausstoß 500.000 Stück!

Wenn ich nicht aus eigener Erfahrung wüsste, dass Autobatterien etwas ganz anderes sind als intelligente Hausspeichersysteme, wäre ich beeindruckter. Der Mann positioniert sich für die Börse. Wir dagegen unmittelbar für die Hausbesitzer und Bauherren. Dazu kommt: Wenn die kolportierten Zahlen stimmen, haben wir mit den E3/DC-Systemen sogar die besseren Preise. 

 

 

Das Gespräch führte Doris Neumann.

Wirtschaftlichkeitsprognose Beispiel 5 Kwp